Warum sortiert mein Hund die Erbsen aus?

Warum mein Hund Spargel liebt und Huhn verweigert – über Geschmack, Genetik und was der Napf damit zu tun hat.

Karlchen sortiert Erbsen aus. Monty würde Spargel fressen bis nichts mehr da ist. Leo liebt Bananen und Möhren. Drei Hunde, drei völlig verschiedene Esspersönlichkeiten – und die Frage, die mich seit Jahren beschäftigt: Wie kommt das eigentlich?

Von Pia von Ramin · Lesedauer ca. 5 Min.


Antischlingnapf mit Pfotenmatte

Antischlingnapf mit Pfotenmatte · Im täglichen Einsatz bei Karlchen, Monty und Leo

Karlchen kommt zum Napf wie ein Restaurantkritiker zur Tischreservierung. Er nimmt sich Zeit. Er prüft. Er sortiert – fein säuberlich, fast methodisch – jede einzelne Erbse aus seinem Fressen heraus. Dann isst er. Oder auch nicht.

Monty dagegen würde Thunfisch, Lachs und Spargel fressen bis nichts mehr da ist. Leo liebt Bananen. Nicht gelegentlich. Wirklich.

Drei Hunde. Drei völlig verschiedene Esspersönlichkeiten. Und die Frage, die mich seit Jahren beschäftigt: Wie kommt das eigentlich?

Geschmack ist nicht zufällig

Hunde haben etwa 1.700 Geschmacksknospen. Menschen haben rund 9.000. Sie schmecken also weniger differenziert als wir – aber sie riechen etwa 10.000 Mal besser. Was wir als Geschmack erleben, ist bei Hunden in Wirklichkeit zu einem großen Teil Geruch.

Das erklärt einiges. Karlchen rührt Huhn nicht an – nicht weil es ihm nicht schmeckt, sondern weil es für ihn nicht riecht. Nicht verlockend genug. Nicht komplex genug. Rohes fettiges Rinderhack gemischt mit Pansen dagegen – das ist eine andere Geschichte. Intensiv, animalisch, eindeutig. Da kommt er sofort.

Monty beim Fressen

Monty · Antischlingnapf mit Pfotenmatte · Im Garten

Genetik und Erfahrung – beides formt den Geschmack

Was ein Hund frisst, ist teilweise genetisch angelegt. Rassen, die ursprünglich als Jagdhunde gezüchtet wurden, haben andere Vorlieben als Hütehunde oder Gesellschaftshunde. Aber Erfahrung spielt eine mindestens genauso große Rolle.

Ein Hund, der als Welpe bestimmte Lebensmittel kennengelernt hat, entwickelt dafür eine Präferenz – manchmal fürs Leben. Montys Vorliebe für Spargel ist keine Laune. Es ist eine Geschichte. Leos Bananen auch.

Ich habe aufgehört, das erklären zu wollen. Ich beobachte es einfach. Und richte mich danach.

"Es gibt keine universelle Antwort. Es gibt nur deinen Hund."

Warum manche Hunde schlingen und andere selektieren

Monty und Leo fressen so schnell, dass sie sich danach übergeben müssten, wenn ich es zuließe. Karlchen braucht zwanzig Minuten für dieselbe Menge – und das auch nur, wenn die Erbsen entfernt wurden.

Das hat nichts mit Erziehung zu tun. Es hat mit dem ursprünglichen Fressverhalten zu tun. Hunde, die in Rudeln lebten, mussten schnell fressen – wer zögerte, bekam weniger. Dieser Instinkt sitzt tief, auch nach tausenden Jahren Domestizierung. Manche Hunde haben ihn stärker als andere.

Bei Monty und Leo benutze ich Antischlingnäpfe. Nicht als Erziehungsmaßnahme – sondern weil ihr Körper einfach nicht so schnell verarbeiten kann, wie ihr Kopf fressen will.

Was Monty nicht darf – und warum das wichtig ist

Monty nimmt Cortison. Schon länger. Kortikosteroide unterdrücken das Immunsystem – das ist therapeutisch gewollt, aber es bedeutet auch: sein Körper kann sich gegen bestimmte Erreger schlechter wehren als ein gesunder Hund.

Rohes Fleisch kommt bei ihm deshalb nicht in den Napf. Nicht weil ich es grundsätzlich ablehne – Karlchen bekommt es täglich. Sondern weil ich meinen Hund kenne und weiß, was für ihn gilt.

Das ist vielleicht der wichtigste Satz, den ich über Hundeernährung sagen kann: Es gibt keine universelle Antwort. Es gibt nur deinen Hund.

Sauber geleckt ist nicht gespült

"Wieso waschen – hat der Hund doch schön sauber geleckt."

Ich höre das öfter als mir lieb ist. Und beim Wassernapf noch häufiger: "Der trinkt es am liebsten, wenn es ein paar Tage stand."

Mag sein. Aber was da steht, ist nicht nur altes Wasser. Es sind Bakterien. Biofilm. Speichelreste. Bei einem gesunden Hund, der Trockenfutter bekommt, mag das tolerierbar sein – bei einem Hund, der rohes Fleisch frisst, ist es schlicht unhygienisch. Und bei einem immunsupprimierten Hund wie Monty kann es gefährlich werden.

Hundenäpfe im Geschirrspüler

Täglich in der Maschine · Antischlingnäpfe und Pfotenmatten · Spülmaschinenfest

Bei uns landen alle Näpfe täglich in der Geschirrspülmaschine. Weil morgens und abends gefüttert wird, hat jeder Hund zwei Näpfe – einer ist immer sauber. Das klingt aufwendig. Es ist es nicht. Es ist einfach Routine.

"Sauber geleckt ist nicht gespült."

Der Napf als Ressource – unterschätzt in Mehrhundehaushalten

Was viele nicht bedenken: Ein Napf ist für einen Hund keine Selbstverständlichkeit. Er ist eine Ressource. Und Ressourcen müssen – aus Hundesicht – verteidigt werden.

In unserem Haushalt mit drei Hunden bedeutet das strikte Trennung beim Fressen. Kein gemeinsamer Tisch. Kein gegenseitiges Beobachten. Die Wassernäpfe stehen an Stellen, die nicht offen einsehbar sind – damit das Revierverhalten gar nicht erst herausgefordert wird.

Wassernapf bewusst platziert

Wassernapf · Bewusst platziert · Nicht offen einsehbar

Kleine Maßnahme. Große Wirkung. Weniger Spannung. Mehr Ruhe.

Was Karlchen, Monty und Leo mich gelehrt haben

Drei Hunde. Drei Charaktere. Drei völlig verschiedene Beziehungen zum Napf.

Karlchen hat mir beigebracht, dass Fressen Würde hat. Monty, dass Fürsorge manchmal bedeutet, etwas wegzulassen. Leo, dass ein Hund, der Bananen unnd Möhren liebt, grundsätzlich recht hat.

Wer seinen Hund beim Fressen wirklich beobachtet – nicht korrigiert, nicht vergleicht, sondern beobachtet – versteht ihn ein bisschen besser. Und manchmal reicht das, um das Richtige zu tun.


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Pia von Ramin

Pia von Ramin ist Gründerin von 4legs.de und lebt in Hamburg mit ihren Italian Greyhounds Karlchen und Monty sowie dem Weimaraner Leo. Sie denkt täglich darüber nach, wie man das Leben mit Hund ein bisschen besser machen kann.