4legs Magazin · Gesundheit
Ein Stich.
Ein Leben lang.
Was ein einziger Zeckenbiss mit unserem Windspiel Monty gemacht hat – und was wir daraus gelernt haben.

Monty, unser Italienisches Windspiel. Heute lebt er mit den Folgen eines einzigen Zeckenbisses.
Es war kein dramatischer Moment. Kein Alarm, kein Zeichen. Irgendwann auf einem Spaziergang, irgendwo im Gras – eine Zecke, die sich festgebissen hat. So winzig, dass man sie leicht übersieht. So folgenreich, dass nichts mehr so war wie vorher.
Unser Italienisches Windspiel Monty hat diesen Stich nicht unbeschadet überstanden. Sein Immunsystem bekämpft seitdem seine eigenen Thrombozyten – ausgelöst durch Rickettsien, einen Erreger, den die Zecke beim Blutsaugen übertragen hat. Die Diagnose: Canine Cyclische Thrombozytopenie. Monty nimmt wahrscheinlich sein Leben lang Cortison. Nicht weil wir leichtsinnig waren. Sondern weil wir nicht wussten, wie schnell es gehen kann.
Was Zecken im Körper anrichten
Zecken sind keine Plage im klassischen Sinn – sie sind Überträger. Beim Blutsaugen geben sie über ihren Speichel Erreger direkt in den Blutkreislauf ab: Bakterien wie Borrelien oder Anaplasmen, Viren wie das FSME-Virus, und eben Rickettsien – Erreger, die das Immunsystem so verwirren können, dass es beginnt, den eigenen Körper anzugreifen.
Das Tückische: Viele dieser Erkrankungen zeigen sich erst Wochen später. Der Hund wirkt müde, frisst weniger, hat Fieber. Symptome, die man leicht mit etwas anderem verwechselt. Bis die Diagnose feststeht, hat der Erreger oft schon erheblichen Schaden angerichtet.
Links: Monty beim Tierarzt, einer von vielen Besuchen. Rechts: Einblutungen unter der Haut – das erste sichtbare Zeichen, dass etwas nicht stimmte.
Kurzes Fell schützt nicht – es entlarvt nur
Einen kleinen Vorteil haben Kurzhaarrassen wie das Italienische Windspiel: Auf heller, kurzer Haut sind Zecken gut sichtbar – man findet sie leichter als bei Hunden mit dichtem, dunklem oder langem Fell, wo eine Zecke sich tief in der Wolle verstecken kann.
Der Nachteil liegt woanders: Kurzhaarige Hunde haben kaum schützendes Fell. Eine Zecke findet bei ihnen sofort Hautkontakt und beißt sich schneller fest als bei einem Hund, bei dem sie sich erst durch dichtes Fell durcharbeiten müsste. Bei Hunden mit langem, dunklem oder doppellagigem Fell hingegen ist das Auffinden wirklich schwierig – dort ist gründliches Abtasten nach jedem Spaziergang besonders wichtig.
Zecke gefunden – was jetzt?
Ruhe bewahren. Eine Zecke, die schnell und richtig entfernt wird, überträgt deutlich weniger Erreger als eine, bei der man in Panik quetscht oder dreht. Das Werkzeug entscheidet.

Links falsch, rechts richtig: Werkzeug nah an der Haut ansetzen, langsam und gleichmäßig herausziehen – niemals quetschen oder ruckartig ziehen.
Kein Öl, kein Alkohol, kein Nagellack auf die Zecke geben. Diese Hausmittel stressen das Tier – und eine gestresste Zecke gibt mehr Speichel ab. Genau das Gegenteil von dem, was du willst.
Verwende einen Zeckenhaken oder eine Zeckenzange – kein normales Werkzeug, keine Finger. Setze es so nah wie möglich an der Haut an, direkt am Kopf der Zecke. Dann langsam und gleichmäßig herausziehen. Prüfe danach, ob der Kopf vollständig entfernt ist.
Danach beobachten – und zum Tierarzt
Eine entfernte Zecke bedeutet nicht, dass die Sache erledigt ist. Beobachte deinen Hund in den folgenden Wochen aufmerksam: Appetitlosigkeit, ungewöhnliche Müdigkeit, Fieber, Schwellungen oder Veränderungen der Haut können erste Hinweise sein.
Welcher Zeckenschutz für deinen Hund der richtige ist, hängt von Rasse, Gesundheitszustand und Region ab. Das ist eine Frage, die dein Tierarzt am besten beantworten kann – am besten schon vor der Zeckensaison, nicht erst danach.
Was wir aus Montys Geschichte gelernt haben
Monty lebt. Er ist bei uns, er ist versorgt, er hat gute Tage. Aber sein Körper ist nicht mehr der, der er hätte sein können. Ein einziger Stich – und ein Leben lang Konsequenzen.
Wir wünschen uns, dass andere Hundebesitzer informierter in die Zeckensaison gehen als wir es damals waren. Nicht mit Panik. Aber mit Respekt vor dem, was ein so kleines Tier anrichten kann.
Unser Rat
Sprich mit deinem Tierarzt.Vor der Zeckensaison ist der beste Zeitpunkt, um den richtigen Schutz für deinen Hund zu besprechen – individuell, nicht pauschal.


